01.11.2018

ABG-Wohnungen im Riederwald: Modellprojekt für die Sanierung im Bestand

Umweltdezernentin Rosemarie Heilig informiert sich über die Sanierung von zwei Häuserzeilen der ABG in der Nebenius- und Schlettweinstraße zu Aktiv-Stadthäusern

In zwei Bauabschnitten hat die ABG FRANKFURT HOLDING seit 2016 zwei Häuserzeilen aus den 1950er Jahren im Riederwald mit zusammen 48 Wohnungen saniert und so auf den Standard ‚Effizienzhaus Plus' gebracht. Die Wohnungen in der Nebenius- und Schlettweinstraße, die im ersten Bauabschnitt im Jahr 2017 und im zweiten im September diesen Jahres bezugsfertig waren, sind alle bereits wieder vermietet und haben damit den derzeit höchsten Energiestandard, der auch bei Neubaumaßnahmen nicht übertroffen wird. Mit Photovoltaikanlagen auf den Dächern und hier erstmals eingesetzter organischer Photovoltaik an den Fassaden sowie der Nutzung von Erdwärme mit neuartigen Wasser- und Luftwärmepumpen wird hier in Summe klimaneutral mehr Energie erzeugt, als die Bewohner verbrauchen. Bei dieser Sanierungsmaßnahme der ABG waren das Architekturbüro HHS Architekten aus Kassel und das Büro energydesign aus Braunschweig beteiligt. Bis zum Jahr 2050 soll nach den Zielen der Bundesregierung der Gebäudebestand in Deutschland klimaneutral beheizt und gekühlt werden.
„Wir sind in Frankfurt einmal mehr ganz vorne dabei und zeigen hier in der Praxis beispielhaft auf, wie durch intelligente Energiekonzepte im Wohnungsbestand ein wirksamer Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden kann", sagte die Frankfurter Umweltdezernentin Rosemarie Heilig am 1. November bei einem Rundgang mit ABG-Geschäftsführer Frank Junker in den sanierten Häuserzeilen im Riederwald. „Uns war der Nachweis wichtig, dass höchste Standards bei der Energieeffizienz nicht nur im Neubau sondern auch bei der Sanierung von Bestandswohnungen aus den 1950er Jahren sinnvoll zum Einsatz kommen können", betonte Junker. Die hier gewonnenen Erfahrungen könnten bundesweit bei der Sanierung von vielen Tausend ähnlichen Häusertypen genutzt werden.

Die Wohnungen in der im Jahr 1950 errichteten Häuserzeile Nebeniusstraße 11-15/Schlettweinstraße 45 hatten bereits alle einen Balkon und waren mit zwei und drei Zimmern Grundrisse ausgestattet, die gut funktionierten. Diese Wohnungen konnten saniert werden, ohne dass die Mieterinnen und Mieter ausziehen mussten. Die 1950 gebaute Zeile Nebeniusstraße 12 -20 dagegen bestand vor allem aus Ein-Zimmer-Apartments, die auch von der Bausubstanz her nicht mehr zeitgemäß waren. Hier hat die ABG zunächst sozialverträglich Ersatzwohnungen für alle Bewohner besorgt. Es wurde den Mietern angeboten, nach der Sanierung wieder zurückzuziehen.

Die einzelnen Bestandswohnungen wurden durch gezielte Anbauten um ein weiteres Zimmer vergrößert, sodass zeitgemäße Wohnungsgrundrisse entstanden sind. Weiter hat heute jede Wohnung einen ansprechenden Balkon oder Dachterrasse, welche den Wohnwert deutlich steigert. Die Grundrisse wurden zeitgemäß den aktuellen Bedürfnissen der Mieter angepasst. Durchgehend hat eine Überarbeitung aller Bereiche stattgefunden.
Das Sanierungskonzept sah vor, dass die bauzeitliche Formensprache der Fassaden aus den 1950er Jahren erhalten bleibt und die Gebäude durch das Aufbringen einer Wärmedämmung, neue Fenster in hellen Farben und einen feineren ebenfalls helleren Außenputz energetisch saniert und freundlicher gestaltet werden. Die bisher nicht genutzten Dächer wurden ausgebaut und die Dachneigung dafür geringfügig angepasst. Ein positiver Nebeneffekt war, dass so auch der Ertrag der durch die West-Ost-Ausrichtung beidseitig in das Dach integrierten Photovoltaikanlagen gesteigert wurde.
Beim Energiekonzept verfolgten die Planer das Prinzip des ‚Nur-Strom-Hauses'. Das bedeutet, dass jeglicher Einsatz fossiler Brennstoffe und lokale Emissionen vermieden wurden. In der Nebeniusstraße 12-20 wurden erstmals bei der ABG organische Photovoltaikmodule in das Wärmedämmverbundsystem integriert. Mit Stromspeichern können die Bewohner rund 45 Prozent des erzeugten Stroms im Mieterstrommodell direkt nutzen, die Überschüsse werden in das Netz eingespeist. Für die Nutzung der Erdwärme wurden an beiden Häuserzeilen jeweils sieben Erdsonden 99 Meter tief in den Boden getrieben. Geheizt werden die Wohnungen zentral mit Luft-Wasser und Sole-Wasser-Wärmepumpen. Warmwasser wird wohnungsweise mit Abluft-Wasser-Wärmepumpen erzeugt. Die dafür notwenige etwa kühlschrankgroße Technik wurde in den Badezimmern installiert.

Das Sanierungskonzept wurde im Dezember 2017 bei dem Ideenwettbewerb „EnEff.Gebäude.2050" des Bundeswirtschaftsministeriums in den Kategorien „Konzepte für zukunftsweisende Gebäude und Quartiere" sowie „Ideen für einen internationalen Energiewettbewerb" ausgezeichnet. Der mit 35.000 € dotierte Preis war damals von Umweltdezernentin Heilig überreicht worden.

Durch den Ausbau der Dächer konnte die Anzahl der Wohnungen in den beiden Häuserzeilen im Riederwald von 48 auf 56 gesteigert werden, die Wohnfläche stieg von 3.000 Quadratmetern auf 3.850 Quadratmeter. Auch die Außenanlagen hat man neu gestaltet. Die ABG hat in diese Sanierungsmaßnahme rund 9,5 Millionen investiert.

 

Fotos: Ralf Pelkmann

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